Im Zaubergarten der Köstlichkeiten - ein Konzert des Vokalensembles 'Raggio di Sol'

Fotoquelle: www.raggio-di-sol.de

 

Am 26. September 2009 lädt das Vokalensemble Raggio di Sol (Sonnenstrahlen) um 19:00 Uhr in St. Martin zu einer fantastivollen Reise in den Zaubergarten der Köstlichkeiten ein und man fragt sich, was einen da wohl erwarten mag. Ob es Überraschungen gibt oder welcher Art denn diese Köstlichkeiten eines Zaubergartens sein mögen.

So dürfte es anregend sein, ein wenig Orientierung zu erfahren, ohne schon alle Details verraten zu bekommen, denn dann wäre ja der Zauber hinüber!  Ganz sicherlich werden an diesem Abend keine Löffel durch mentale Vorstellungskraft verbogen, auch werden keine Konjunkturpakete verabschiedet, die in magischer Weise eine Krise zu beheben versprechen, ohne das man weiß, wie das funktionieren soll. 

Nein: Musik und Klänge wollen ihren Zauber entfalten. Dazu laden Werke ein, in denen gerade die Natur, schöne Gärten mit ihren Wasserquellen, duftende Pflanzen und Tiere, schöne Frauen und verliebte Männer eine Rolle spielen. Manchmal wird auch daran erinnert, wie wunderbar es sein kann sich den Genüssen des Lebens sinnenfreudig hinzugeben.

Teils entfalten aber auch geistliche Werke der Renaissance ihren ureigenen Zauber und berühren durch die naturverbundene Schönheit ihrer Klangkombinationen und Rhythmen das Herz. Selbstverständlich gehören zu solch einem Garten auch dunklere Farben, Wolken und Verirrungen, denn erst diese Farben lassen Höhen und Tiefen der menschlichen Seele atmen und nicht zu einem lebensfernen künstlichen  Ort des Festhaltens erstarren. Dies lehrt uns die Kunst: wer dem Schmerz ausweicht, wird im Gegenzug auch auf die Erfahrung tiefer Freude verzichten. Dem Leben vertrauen heißt, sich ihm in allen Farben zu öffnen in der Hoffnung, dass eine gute Mischung und Balance möglich ist. 

Das Konzert wird eröffnet mit einem vierstimmigen Satz: Pase el agua. Text und Musik sind im 15. Jahrhundert in Spanien entstanden. Die Liebespoesie bedient sich dreier beliebter Metaphern: des Wassers, das zu überwinden ist, des schönen Gartens, in dem "Er" die Geliebte erwartet, des Pflückens und Verschenkens von Rosen – hier gar viel versprechend von dreien. Die Grundstimmung kann als zuversichtlich, jugendlich, verspielt und kraftvoll charakterisiert werden. 

Einem Garten ganz besonderer Art begegnen wir am Hofe Heinrich des VIII in England. Seine Liebe zur Dichtung und zur Musik hat der frauenliebende König in seinem Pastime with good company für die Nachwelt hinterlassen, einem lebhaften rhythmisch interessanten Stück. Nicht nur der englische König liebte außerordentlich Festlichkeiten und gutes Essen.

Auch im spanischen Oy comamos y bebamos des Juan del Encina äußert sich eine ungehemmte Lust an den Freuden des Gaumens mit der etwas weit hergeholten Begründung, man müsse ja am nächsten Tage fasten. Gleich drei Werke dieses bedeutenden Komponisten aus der stolzen Zeit nach der reconquista sind in diesem Konzert zu hören. Bei Pedro y bien te quiero plädiert die Frau dafür, dass ihr Liebhaber trotz aller Vitalität, auch mal ein wenig langsamer treten soll und sie doch bitte freunschaftlich lieben möge, worauf er denn wegen seiner Liebe auch eingeht. Eine ganz andere Welt eröffnet Más vale trocar sufriendo dolores. In ruhigen melancholischen homophon gestalteten Phrasen wird vermittelt, dass es besser sei Schmerzen zu erleben als auf Liebe zu verzichten. Ja, wer Schmerzen ausweiche sei zu wahrer Hingabe nicht fähig und daher weit entfernt ein Liebender zu sein.  Aus derselben Zeit stammt ein Stück, dass Mateo Flecha dem Ältern, wenn auch nicht ganz eindeutig, zugeordnet wird: Riu, riu chiu.Oft in der Advents- und Weihnachtszeit gesungen, weil hierin die Errettung der Menschen durch die Jungfrau Maria thematisiert wird, kann an diese freudige Begebenheit durchaus auch zu anderen Zeiten erinnert werden. 

Köstlichkeiten der englischen Vokalpolyphonie lassen das  Kyrie und Agnus Dei aus der Messe für vier Stimmen von William Byrd erklingen.  Die Pavane war die Königin der Schreittänze der Renaissance. Sie stand im geraden Takt und eröffnete meist als Prozessionstanz jedes Fest. Sie wurde aber auch gerne im Verlauf des Abends musiziert und getanzt. Auf sie folgte meist die Gagliarde als schneller Springtanz, in dem Tänzerinnen und Tänzer ihre Künste zeigen konnten.  In der von uns gewählten Pavane Belle qui tiens ma vie von Toinot Arbeau, dem bedeutenden französischen Tanzlehrer des 16. Jh. hat die Schöne mit ihren Augen und ihrem Charme den Geliebten verzaubert und hält in so gefangen, dass er nur Erlösung in einem Kuss zu erlangen meint.

Die darauf folgende Gagliarde A lieta vita von Gastoldi, im fünfstimmigen homophonen Satz ist voller Frische, Lebensenergie und Freude und wird durch Instrumente bereichert. Was im zweiten Teil folgt soll nicht so detailliert preisgegeben werden. Aber Sie können darauf gefasst sein, bei Thomas Morley sommernachtstraumähnliche Szenen zu hören und bei anderen Komponisten unterschiedlichen  Tieren zu begegnen, so dass der Zauber diese belebten Kreaturen nicht vergisst. 

Wir wünschen Ihnen viel Freude! Alfredo Ihl D.
(Ensembleleitung)

Mehr Informationen zu Raggio di sol: www.raggio-di-sol.de

 

Konzerte Raggio di Sol 2009

Termine Uhrzeit Ort
17. Mai 17:00 Dorfkirche Altgarbsen, Calenbergerstraße, 30823 Garbsen
23. Mai 15:30 Kirchentag Bremen, Hochschule der Künste – Großer Saal
24. Mai 17:00 Klosterkirche Marienwerder
21. Juni 16:00 St. Marcus-Kirche, Wettmar/Burgwedel
22. August 18:00 St. Peter-Paul-Kirche, Hermannsburg
5. September 15:30 Benediktinerinnenkloster, Osnabrück
6. September 16:00 Klosterkirche Bursfelde/Weser
26. September 19:00 Pfarrkirche St. Martin, Nussriede 21, Hannover-Roderbruch
27. September 18:00 St. Nikolai-Kirche, Sackmannstr. 32, Hannover- Limmer
23. Oktober 20:00 Nikodemus-Stiftung, Lüneburger Damm 2, Hannover-Heideviertel
19. Dezember 16:00 GDA Wohnstift Kleefeld, Osterfelddamm, Hannover-Kleefeld